Studiendesign
Studienregion

Die "Study of Health in Pomerania" (SHIP) ist eine bevölkerungsbezogene, epidemiologische
Studie in der Region Vorpommern im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.
Die Studienregion
wurde definiert durch die ehemaligen Landkreise Stralsund-Land,
Greifswald-Land und Anklam-Land sowie die Städte Stralsund,
Greifswald und Anklam (ohne die Insel Usedom und ohne
Fischland/Darß) mit insgesamt ca. 212.000 Einwohnern (Stand
12/1995).
Quer- und Längsschnittdesign
| SHIP-0: |
SHIP wurde zunächst als
Querschnittsstudie geplant und die Untersuchungen an Probanden wurden
vom 16.10.1997 bis 19.05.2001 in Stralsund und Greifswald
durchgeführt (SHIP-0). |
| SHIP-1: |
Am 23.10.2002 begann das erste
5-Jahres-Follow-up (SHIP-1). Die Probanden aus SHIP-0 wurden erneut
eingeladen und in Greifswald untersucht. Die Datenerhebung wird
voraussichtlich im Sommer 2006 abgeschlossen sein. |
| SHIP-2: |
Ab 25. Juni 2008 wird ein
12-Jahres-Follow-up der populationsbasierten Study of Health in
Pomerania (SHIP-2) durchgeführt. Das Projekt verfolgt das zentrale
Ziel, die intra-individuelle Progression subklinischer Befunde, deren
Determinanten und prognostische Bedeutung zu untersuchen. |
| SHIP-Trend-0: |
Parallel zu SHIP-2 wurde eine neue Stichprobe von 8016
Probanden der Region Vorpommern gezogen, die mit einem ähnlichen
Untersuchungsprogramm wie SHIP-2 ab September 2008 untersucht wird. |
Stichprobenziehung SHIP-0

Zur Gewinnung der repräsentativen SHIP-0 Zufallstichprobe von 20 bis 79-jährigen
Frauen und Männern diente ein zweistufiges Stichprobenverfahren:
| Region: |
Die Studienregion wurde in drei Regionen (Stralsund + ehemaliger Landkreis,
Greifswald + ehemaliger Landkreis, Anklam + ehemaliger Landkreis) gegliedert. |
| Cluster: |
Im ersten Ziehungsschritt erfolgte innerhalb dieser drei Regionen auf der Ebene
der Orte eine Clusterung. Orte mit über 1500 Einwohnern wurden mit Wahrscheinlichkeit
1 für den nächsten Auswahlschritt ausgewählt. Aus den kleineren Gemeinden jeder
Region wurde mit Hilfe einer einfachen Zufallsziehung eine Teilmenge für den nächsten
Auswahlschritt ermittelt ("Primary sampling units" (PSUs)). |
| Schicht: |
Im zweiten Ziehungsschritt wurde die Bevölkerung der ausgewählten Orte auf 24 Alters-
und Geschlechtschichten
aufgeteilt, aus denen, proportional zur Bevölkerungszahl in den
größeren Orten und repräsentativ für die
restlichen Orte in den kleineren Gemeinden, Probanden ausgewählt
wurden. |
Weiterführende Literatur

John, U., et al. Study of Health In Pomerania (SHIP): a health
examination survey in an east German region: objectives and design.
Sozial- und Präventivmedizin 46: 186-94, 2001. (Geht
ausführlich auf Studienregion, Studienpopulation und Studiendesign
von SHIP-0 ein.)
Datenqualität
Response

SHIP-0 wurde mit einer Teilnahmerate von 68,8% abgeschlossen.
Die Teilnahmerate der
Frauen war mit 69,4% geringfügig höher als die der
Männer (68,2%). Die Teilnahme in den Altersgruppen reichte von
76,6% (50 - <60) bis 49,5% (70 - <80) bei den Frauen und von
74,3% (60 - <70) bis 63,2 (70 - <80) bei den Männern.

Von 7008 angeschriebenen Personen waren bis Studienende (19.05.2001), 615
(8,8%) verzogen und 126 (1,8%), verstorben.

Response SHIP-0 nach Alter und Geschlecht (ohne Verzogene und Verstorbene):
| kontaktiert |
verweigert |
teilgenommen |
| |
N |
N |
% |
N |
% |
| gesamt |
6267 |
1957 |
31,2 |
4310 |
68,8 |

Männer |
| 20 - <30 |
475 |
164 |
34,5 |
311 |
65,5 |
| 30 - <40 |
501 |
154 |
30,7 |
347 |
69,3 |
| 40 - <50 |
538 |
182 |
33,8 |
356 |
66,2 |
| 50 - <60 |
540 |
162 |
30,0 |
378 |
70,0 |
| 60 - <70 |
544 |
140 |
25,7 |
404 |
74,3 |
| 70 - <80 |
508 |
187 |
36,8 |
321 |
63,2 |
| gesamt |
3106 |
989 |
31,8 |
2117 |
68,2 |

Frauen |
| 20 - <30 |
475 |
114 |
24,0 |
361 |
76,0 |
| 30 - <40 |
528 |
129 |
24,4 |
399 |
75,6 |
| 40 - <50 |
543 |
147 |
27,1 |
396 |
72,9 |
| 50 - <60 |
561 |
131 |
23,4 |
430 |
76,6 |
| 60 - <70 |
543 |
189 |
34,8 |
354 |
65,2 |
| 70 - <80 |
511 |
258 |
50,5 |
253 |
49,5 |
| gesamt |
3161 |
968 |
30,6 |
2193 |
69,4 |

Genauere Details zur Response - auch im Vergleich mit anderen Studien - wurden publiziert in:

LATZA, U., STANG, A., BERGMANN, M., KROKE, A., SAUER, S., HOLLE, R., KAMTSIURIS, P.,
TERSCHUREN, C. und HOFFMANN, W. Zum Problem der Response in epidemiologischen Studien
in Deutschland (Teil I). Gesundheitswesen 66: 326-36, 2004.
DSMC - Externe Begutachtung

Die Studie wird nach guter epidemiologischer Praxis
(
GEP der DAE
)
seit ihrer Planung von einem externen Gutachtergremium (genannt Data Safety and
Monitoring Committee - DSMC) begleitet. In halbjährlichen Abständen wird dem DSMC
ausführlich Bericht erstattet und auf DSMC-Konferenzen anschließend der aktuelle
Stand der Studie diskutiert.

Mitglieder des DSMC für SHIP-1 waren bis 2006:
- Prof. Dr. Christof Dörfer (Universität Schleswig Holstein, Campus Kiel)
- Prof. em. Dr. Eberhard Greiser (Epi.Consult GmbH Bremen)
- Prof. Dr. Johannes Haerting (Universität Halle)
- PD Dr. Ursula Härtel (LMU München)
- Prof. Dr. Hans-Werner Hense (Universität Münster)

Ab 2007 wurde das DSMC für SHIP-2 und SHIP-Trend neu berufen und besteht aus folgenden Mitgliedern:
- Prof. Dr. Johannes Haerting (IMIBE, Uni Halle) - DSMC-Sprecher
- Prof. Dr. Arne-Jörn Lemke (Berlin, Charité - Campus Virchow-Klinikum)
- Prof. Dr. Holger Schünemann (University at Buffalo, McMaster University, USA)
- Dr. Christine Meisinger (Helmholtz München)
- Michael Thamm (RKI, Berlin, KiGGS)
- PD Dr. Siegfried Gabler (ZUMA/GESIS, Mannheim)
- Prof. Dr. Torsten Schäfer (Lübeck)
Zertifizierungen

Alle an der Studie teilnehmenden Interviewer und Untersucher werden vor der Aufnahme
Ihrer Tätigkeit und laufend in ca. halbjährlichen Abständen zertifiziert. Die
Zertifizierungen werden an freiwilligen Teilnehmern durchgeführt.
Es werden Intra- und Inter-Observervariabilitäten abgeschätzt. Ziel ist es, die
subjektive Komponente in den Untersuchungen möglichst klein zu halten. Werden
vorgegebene Qualitätskriterien durch die Untersucher nicht erreicht, erfolgt ein
gezieltes Training (sogenannte Kalibrierung) und im Anschluss daran eine
erneute Zertifizierung.
Datensicherheit und -schutz

Die Festlegungen des Datenschutzkonzeptes regeln die Verhinderung des unbefugten
und unsachgemäßen Zugriffs Dritter auf die Personen- und Ergebnisdaten der SHIP.
Die höchste Priorität hat die Verhinderung der Zusammenführung von Personen- und
Befunddaten, die durch räumlich und personell getrennte Verwaltung der Daten
gesichert ist.

Die Arbeit mit personenbezogenen Daten innerhalb der SHIP unterliegt den
Festlegungen des Landesdatenschutzgesetzes des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern
(siehe
DSG-MV
).
Sämtliche in SHIP erhobenen Daten, sowohl Personen- als auch Ergebnisdaten
befinden sich im Besitz des Forschungsverbundes Community Medicine (FVCM) an
der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Der
Zugriff auf die Daten wird anhand der vom FVCM genehmigten
Datennutzungsanträge
geregelt und die Verwendung erfolgt nach den Richtlinien der
Geschäftsordnung des FVCM.

Das Datensicherheitskonzept regelt den Schutz der erhobenen Daten vor Zerstörung
durch Elementarschäden bzw. Diebstahl und entspricht den Richtlinien des
Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik
(siehe
BSI
). Die Datensicherheit wird durch entsprechende Backup-, Archivierungs-, Migrations-
und Nutzungskonzepte gewährleistet, deren Grundprinzip in der Auslagerung
verschlüsselter Daten liegt.

Für die Netzwerkadministration ist die Datenverarbeitungsgruppe der SHIP zuständig.
Der Netzwerkadministration obliegen neben den allgemeinen Administrationsaufgaben
insbesondere die Benutzerverwaltung einschließlich der Verwaltung der Zugriffsrechte
und die Zuständigkeit für Sicherheitsbelange der zu betreuenden Systeme.

Das Sicherungstape der zentralen Server der SHIP wird wöchentlich archiviert.
Die Server sind mit unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USV) gegen
Stromausfälle und Überspannungsdurchschläge gesichert. Alle PCs werden mit
Bildschirmsperre mit Hilfe von Passwortgeschützten Bildschirmschonern geschützt.

Alle Systeme werden täglich auf Befall durch Computerviren überprüft.

Der Datenaustausch innerhalb der SHIP zwischen dem Organisationszentrum
und dem Untersuchungszentrum wird von der Mitarbeiterin des Personendatenmanagement
verwaltet. Sie pflegt die Adressdatei der Personen und organisiert die Anschreiben
und Einbestellungen. Nach erfolgreicher Einbestellung des Probanden gibt das
Organisationszentrum eine Probanden-Identifikations-Nummer, sowie Untersuchungsdatum
und Untersuchungszeit an das Untersuchungszentrum.

Der Datenaustausch zwischen Basisstudie und assoziierten Projekten findet in anonymisierter
Form statt, wenn
- vom assoziierten Projekt eine schriftliche Anforderung entsprechend
"Regelungen
zum Zugriff auf und Umgang mit Daten und Probenmaterial in der Studie
'Leben und Gesundheit in Vorpommern' (SHIP)"
sowie die Bestätigung und Protokollierung der Begutachtung durch
den Forschungsverbund CM vorliegt,
- die Studienzustimmung der Ethikkommission für dieses Projekt vorliegt,
- die Bestimmungen des Landesdatenschutzgesetzes -
DSG M-V
eingehalten werden.
Befundformulare (BF), Interviewkassetten und alle weiteren medizinischen Befundmittel eines
Teilnehmers werden vollständig in einer Case Report Form (CRF)-Akte gesammelt.

Zahnmedizinische Befunde und Interview werden während der
Untersuchung am Computer erfasst. Labordaten werden elektronisch vom
Labordatenverarbeitungssystem übernommen. Alle anderen
Ergebnisdaten werden über ein Doppeleingabesystem mit
online-Abgleich erfasst, um mögliche Eingabefehler zu minimieren.
Die entstehenden Datensätze werden auf den Servern gespeichert und
die bearbeiteten Akten werden archiviert.

Post-Plausibilitätskontrollen der eingegebenen Daten sowie
Datenkorrekturen aufgrund der gefundenen Datenfehler werden
ausschließlich mittels Scripten durchgeführt und schriftlich
dokumentiert.
Finanzierung

Folgende Förderer sind bzw. waren an
SHIP beteiligt:
- Bundesministerium für Bildung und Forschung (SHIP-0/1/2)
Förderzeitraum: 01.01.1997 - 30.06.2007
Förderzeitraum: 01.07.2007 - 30.06.2012
- Kultusministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern (SHIP-0/1)
- Sozialministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern (SHIP-0)
- Klinikum der Hansestadt Stralsund (SHIP-0)
- Industriepartner
Folgende Förderer sind an
SHIP-Trend beteiligt:
- Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
- Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- Industriepartner
Darüber hinaus werden
assoziierte Projekte mit weiteren öffentlichen
und Industriedrittmitteln gefördert.