Erkennt ein Antikörper
ein lösliches Antigen, bildet er lösliche Immunkomplexe,
deren Clearance (Abb. 4.4., 5.4., 5.5.) unbemerkt abläuft oder
klinisch relevante Tatbestände bei Glomerulonephiritis, Arzneimittelallergien
o.ä. erlangen (Tab.1, Abb. 4.2.). Handelt es sich um ein Toxin,
kann ein spezifischer Antikörper neutralisierend wirken (Abb.
4.7.), indem er dessen Bindung an einen zellulären Rezeptor verhindert.
Erkennt ein Antikörper zelluläre Strukturen, kann er nur
als IgM- oder IgG-Molekül Komplement-vermittelt zytotoxisch wirken
(Abb. 4.1., 4.2.) oder als IgG eine zelluläre Zytotoxizität
vor Ort induzieren, wenn die Killerzellen mit einem Fc
γ-Rezeptor ausgerüstet
sind (Abb. 4.3.). Ein spezifischer Antikörper kann über
Fc
γ-Rezeptor- oder Komplement-Rezeptorbindung aber auch eine schnellere
Phagozytose ermöglichen (Abb. 4.4., 5.5.). Somit kann eine erfolgreiche
Impfung später sehr wirkungsvoll den Stand by-Modus einer beginnenden
unspezifischen Abwehr verstärken.
Wenn Antikörper selbst nicht zytotoxisch wirken, können
sie im Gegenteil die Erkennung von Antigenen auf Zielzellen blockieren,
was z.B. bei Tumoren oder virusinfizierten Zellen verhängnisvoll
sein könnte, weil zytotoxische Zellen keinen Angriffspunkt finden
(Abb. 4.5.).
Als einziges Immunglobulin kann sich IgE ohne vorherige Antigenbindung
in Fc
ε-Rezeptoren auf Mastzellen und Basophilen setzen (Abb. 4.8.).
Ein Cross-Linking zweier IgE-besetzter Fc
ε-Rezeptoren auf derart
sensibilisierten Mastzellen erfolgt, wenn ein Antigen eine Brücke
schlägt. Binnen Sekunden werden Mediatoren freigesetzt (Abb.
5.8., 5.10.). Immunglobuline höheren Molekulargewichts (z.B.
sekretorisches IgA, s. Abb. 4.11.) erreichen einfach durch ihre
Bindung eine biologische Wirkung: So kann z.B. ein Virus, von mehreren
spezifischen sIgA gebunden, mit solchen "Rucksäcken"
keine Schleimhaut passieren oder Zellen infizieren (Abb. 4.6.).
Anti-Rezeptor-Antikörper können klinische Relevanz nicht
nur durch Blockade (z.B. bei Myastenia gravis) sondern auch durch
Imitation des physiologischen Liganden (z.B. bei M. Basedow) erlangen
(Abb. 4.9., Tab. 1). Solche Autoantikörper können aus
B-Zellklonen stammen, die bei einer antiinfektiösen Abwehr
hochgefahren werden und kreuzreagierende Antikörper (s.o.)
produzieren.
Zu allem Überfluss gibt es eine Fülle von Fc-Rezeptoren
auf verschiedensten Zellen (10). Hier sollen nur Fc
εR- und Fc
γRezeptoren
erwähnt werden. Verstärkt ein Cross-Linking dieser Rezeptoren
in der Regel eine Immunabwehr (Abb. 4.3., 4.4., 4.8., 5.5., 5.8.,
5.9., 5.10.), so führt die Besetzung des Fc
γRIIb zu einer Inaktivierung
der betreffenden Zelle (Abb. 4.10.). Dieser Mechanismus senkt das
Risiko einer Autoantikörperproduktion oder Allergie. Fc-Rezeptor-vermittelt
können darüber hinaus IgG-Moleküle die Placenta passieren
bzw. IgA-Dimere die Schleimhautepithelien (4.11.). IgA-Dimere üben
dabei u.U. gleichzeitig eine Clearance-Funktion aus, indem sie Antigene
aus dem Inneren mit nach außen transportieren, wenn sie die
Schleimhaut passieren. Die Vielfalt von bislang entdeckten Antikörperwirkungen
wird abgeschlossen mit sog. katalytischen Antikörpern, die
gleich einem Enzym zur Proteolyse führen. Diese Erkenntnis
will man bei der Herstellung von Antikokainantikörpern nutzen
(6).

Das Immunsystem produziert aber nicht nur spezifische Antikörper
(Abb. 5.1.). Zytotoxische T-Zellen erkennen über den TCR Targetzellen
und können Enzyme in diese schütten, nachdem sie eine
Pore in deren Membran gesetzt haben. Darüber hinaus werden
sie nach Aktivierung Fas-Liganden auf ihrer Oberfläche exprimieren,
die Taget-Zellen, welche konstitutiv Fas exprimieren, ein Apoptosesignal
verpassen (Abb. 5.2.). Natürliche Killerzellen (NK- Zellen)
erkennen Tumorzellen oder virusinfizierte körpereigene Zellen
bzw. Zellen, die embryonale Antigene exprimieren, ohne hochselektive
spezifische Rezeptoren. Sie können allerdings nicht aktiviert
werden, wenn sie über einen inhibitorische Signale induzierenden
Rezeptor normale Histokompatibilitätsantigene erkennen. Erst
veränderte oder fehlende HLA-Antigene (z.B. auf Tumorzellen)
ermöglichen eine NK-Zellaktivierung, weil dann diese Hemmung
wegfällt (Abb. 5.3.). Alle Entzündungszellen können
sich über Rezeptoren an Konzentrationsgradienten orientieren
und zielgerichtet wandern. Die Komplementspaltprodukte C3a oder
C5a (Abb. 4.2.) z.B. wirken chemotaktisch. Wenn nach Antigen-Antikörper-Reaktionen
(Abb. 4.1.) diese Moleküle freigesetzt werden, wandern Zellen
zum Orte des Geschehens (Abb. 5.4.). Opsonierte Antigene werden
extrazellulär gekillt (Abb. 4.3.) oder gefressen (Abb. 5.5.)
und intrazellulär gekillt (Abb. 5.6.).
Abbildung 5.1-5.10

Beispiele zellulärer Effektorfunktionen. Die Funktionen der
T-Helferzellen finden sich in Abb. 6

(APC: antigenpräsentierende Zelle; CD: Cluster of Differentiation;
CD4: Marker für TH, bindet HLA Klasse II;
CD8: Marker für Tc, bindet HLA Klasse I; CD14: Marker für Monozyten (PRR, s. Abb. 2); ECP: Eosinophil Cationic Protein;
ER: endoplasmatisches Retikulum; FasL: FasLigand; GM-CSF: Granulozyten/Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor;
HLA: Human Leukocyte Antigens; KAR: NK-Zell-aktivierender Rezeptor; KIR: Killer cell inhibitory receptor; LPS: Lipopolysaccharid;
LT: Leukotriene; MBP: Major Basic Protein; NK: natural killer cell; NO: Stickoxid; PAF: Platelet activating factor; PG: Prostaglandine;
TGF: Transforming Growth Factor; TNF: Tumor Nekrose Faktor; TXA: Thromboxan)

Abbildung 5.1

Antikörperproduktion

|

|

Abbildung 5.2

FasL and Perforin: Waffen der zytotoxischen T Zellen

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Abbildung 5.3

NK Zellzytotxizität mit doppelter Sicherung

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Abbildung 5.4

Zellmigration entlang eines chemotaktischen Gradienten

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Abbildung 5.5

Phagozytose

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Abbildung 5.6

Intrazelluläres Killing: Fusion von Phagosom und Lysosom

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Abbildung 5.7

Antigenpräsentation

|

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Abbildung 5.8

Mastzellsekretionsprodukte

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Abbildung 5.9

Makrophagenleistungen

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Abbildung 5.10

Makrophagenleistungen

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Phagozytose ist aber auch die Grundvoraussetzung für die Antigenpräsentation.
Die Antigene werden im Endosom prozessiert, auf HLA-Klasse II-Moleküle gehangen und dann den T-Helferzellen präsentiert. Zytotoxische T-Zellen können Antigene aus dem Zytoplasma (z.B. virale Peptide) nur auf HLA-Klasse I-Antigenen erkennen (Abb. 5.7.) Dendritische
Zellen, Makrophagen und B-Zellen sind antigen-präsentierende Zellen (APC). Glykolipide werden T-Zellen und NK-Zellen nach lysosomaler Hydrolysierung über CD1-Moleküle auf den APC präsentiert.
Die zellulären Effektorfunktionen hängen vom Repertoire der Genaktivierungen bis hin zu ektopischen Expressionen im Krankheitsfalle ab. Beispielgebend werden hier nur noch Mastzellen (Abb. 5.8.) und Makrophagen (Abb. 5.9.) erwähnt. Es ist bekannt, dass Mastzellen
auch durch bakterielle Antigene oder Komplementspaltprodukte aktiviert werden können (Late Phase Reaction) und z.B. auch beim septischen Schock involviert sind.
|
Gesund oder nicht gesund - das ist hier die Frage

Pathogene Immunreaktionen sind fast ausschließlich Überempfindlichkeitsreaktionen
der adaptiven Immunität, werden aber häufig von Zellen der angeborenen Abwehr verstärkt oder gar angestoßen.
Tabelle 1 liefert eine Übersicht über die 4 Typen, die alle auf ansonsten physiologischen Effektormechanismen basieren.
Ein Beispiel: Zytotoxische Antikörper können bei parasitären Infektionen nichts ausrichten, da weder Komplementaktivierung (Abb.
4.1., 4.2.), ADCC (Abb. 4.3.), zelluläre Zytotoxizität (Abb. 5.2., 5.3.) noch Opsonierung (Abb. 4.4.) oder Phagozytose
(Abb. 5.5.) wirken. Die derben Hüllen der großen Antigene sind nur durch toxische Moleküle von Mastzellen (Abb. 5.8.)
und Eosinophilen (Abb. 5.10.) zu knacken. Wenige spezifische IgE-Moleküle auf den sensibilisierten Mastzellen reichen aus, um durch die riesigen
Antigene eine Degranulation zu bewirken. Bei einem Asthmatiker aber können kleine Allergenmoleküle nur zum antigenen Brückenschlag
führen, wenn überproportional viele IgE-Moleküle der relevanten Spezifität auf den Mastzellen sitzen, d.h. wenn
der Patient mehr spezifisches IgE während der Immunantwort produziert als ein Gesunder. Die Ursache fand sich bei den einflussnehmenden
T-Helferzellen: diese produzieren mehr IL4, das in B-Zellen einen Klassenswitch zum IgE veranlasst (s.o.). Diese Beobachtung ist aber
auch nur ein Phänomen und beantwortet die Frage nicht kausal.
Tabelle 1

Pathogene Immunreaktionen
 |
Effektormechanismus |
Allergie |
Transplantatabstoßung |
Autoimmunität |
| Typ I |
IgE vermittelte Mastzellaktivierung
nach Allergenkontakt |
Allergische Rhinitis, allergisches
Asthma, systemische Anaphylaxie |
Keine |
Keine |
| Typ II |
Zytotoxizität durch spezifische
IgG, komplementvermittelt, antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) |
einige Arzneimittelnebenwirkungen
bei Anlagerung der Antigene auf Zelloberflächen |
Hyperakute Rejektion, Transfusionsreaktion |
Akutes Rheumatisches Fieber, Pemphigus vulgaris, Pemphigoid GOODPASTURE-Syndrom, autoimmune hämolytische Anämie, idiopathische Thrombozytopenie |
| Antirezeptorantikörper |
Keine |
Keine |
Myasthenia gravis (Antagonist), M. BASEDOW (Agonist) |
| Typ III |
Immunkomplex-vermittelt |
Einige Arzneimittelnebenwirkungen bei Anlagerung von Immunkomplexen auf Zelloberfläche |
Keine |
Systemischer Lupus erythematodes, Kryoglobulinämien, Vaskulitiden |
| Typ IV |
Direkte Wirkung spezifischer zytotoxischer T-Zellen |
Arzneimittelallergien |
Transplantatabstoßung |
HASHIMOTO-Thyreoiditis Diabetes mellitus (?) |
| T-Zell-vermittelte Makrophagenaktivierung |
Atopische Dermatitis Granulombildung (Tuberkulinreaktion), Chemical Sensitivity (?), Nickelallergie |
? |
Rheumatoidarthritis M. Crohn Mutiple Sklerose |
Immunregulation als Non plus ultra

Jene T-Helferzellen (s. Tab. 2) lassen sich nicht durch Oberflächenmarker
(die mit monoklonalen Antikörpern detektiert werden) unterscheiden.
Sie exprimieren alle CD3 und CD4. Allerdings kann man sie auf Grund ihrer
momentan vorhandenen Zytokinproduktionspalette in TH1- und TH2-Zellen
unterscheiden. TH1-Zellen synthetisieren proinflammatorische Zytokine
(z.B. IL2, IFN
γ, IL8, TH2-Zellen vorzugsweise antiinflammatorische
(z.B. IL4, IL10, TGFβ). Im Patienten finden sich u.U. selbst im peripheren
Blut Imbalancen der ex vivo-Induzierbarkeit von TH1- und TH2-Zytokinen
(TH1>>TH2 bei Autoimmunerkrankungen oder septischem Schock; TH2>>TH1
bei Allergien oder Immunparalyse). Damit ist die Frage nach dem Warum
aber noch immer nicht geklärt.
Neuerdings stehen dendritische Zellen (s. Abb. 1, 3, 5.7.) im Fokus des
Interesses, weil mittels Mikroarray-Technologie herausgefunden wurde,
dass sie nach Phagozytose von verschiedenen Antigenen sehr differentiell
Gene an- und abschalten und damit die antigene Qualität in eine Kodierung
umsetzen. Diese Genprodukte sind z.B. Zytokine, die während der Antigenpräsentation
(Abb. 3, 5.7.) für T-Helferzellen Zusatzsignale liefern, die letztendlich
entscheiden, in welcher Qualität die anlaufende T-Zellantwort gegen
dieses Antigen abläuft (3). Jetzt kommt ein wichtiges Moment hinzu:
Zytokine werden nur von aktivierten Zellen synthetisiert und wirken auf
Zellen, die die entsprechenden Zytokinrezeptoren exprimieren. Diese Rezeptoren
werden in der Regel nicht konstitutiv exprimiert, sondern sind auch ein
Resultat einer Zellaktivierung. Somit wird im Falle von IL2 (dem T-Zellwachstumsfaktor)
garantiert, dass nur die Klone expandieren, die ein Antigen (mit mehreren
Epitopen) erkannt haben und in Folge dessen IL2 Rezeptoren exprimieren,
und nicht etwa jede beliebige Zelle, die sich in der Nachbarschaft befindet.
Aber: Zytokine selbst wirken nicht antigenspezifisch sondern unspezifisch,
d.h. nach spezifischer Aktivierung einer Zelle und deren Zytokinproduktion
können alle aktivierten Zellen (unabhängig von welchem Antigen
aktiviert) am gleichen Ort zur gleichen Zeit auf diese Zytokine reagieren.
Zeitlich gleichgeschaltete Antworten auf verschiedene Antigene können
sich somit gegenseitig beeinflussen (Bystander activation, Bystander suppression).
Es dauerte nicht lange und es waren neben TH1/TH2-Balancen auch DC1/DC2-Profile
erkannt (ebenso wie monozytäre M1/M2-Subsets). In Abb. 6 findet sich
diese Erkenntnis vereinfacht wieder. Neuerdings unterscheiden wir zwischen
TH2- und sog. regulatorischen T-Zellen (Tr), was zugegebenermaßen
keine sehr intelligente neue Namensschöpfung ist. Regulatorische
T-Zellen spielen eine sehr wesentliche Rolle bei der Sicherstellung der
Unterdrückung der dem Thymus entwichenen autoreaktiven T-Zellklone
in der Peripherie (Periphere Toleranz) und bei der bislang nur sehr lückenhafte
erforschten oralen Toleranz gegenüber Nahrungsmittelantigenen (7)
oder therapeutischen Toleranzinduktionen (z.B. Desensibilisierung). Die
fehlende Wirkung von Tr-Zellen auf Lamina propria T-Zellen im Darm scheint
für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie M. Crohn (s.
Tab. 1) verantwortlich zu sein (4, 8).
Aus Abb. 6 wird ersichtlich, dass Würmer oder Hefen dendritische
Zellen zur IL4-Produktion anregen, die eine TH2-Dominanz erzeugt (die
Physiologie der antiparasitären Abwehr, s.o.). Es wird aber außerdem
deutlich, dass die Hygiene-Hypothese zur Erklärung der Zunahme der
Allergien in der "zivilisierten" Welt (9) durch diese Erkenntnisse
gestützt wird: LPS und bakterielle DNA (CpG) verstärken eine
TH1-Antwort (den Gegenspieler zu TH2).
Damit wird deutlich, dass die Effektorfunktionen von T-Helferzellen (Tab.
2) über ihre Zytokinsekretion ausgeübt werden (deren Vielfältigkeit
in Abb. 5 keinen Platz gefunden hätte), und dass sie dazu von Zellen
der angeborenen Immunität instruiert werden.


Abbildung 6

Dendritische Zellen im Zentrum der Macht: DC reagieren auf verschiedene
Antigene mit variablem Zytokinspektrum bei der Antigenpräsentation
für T-Helferzellen. Die Konsequenzen sind weitreichend. (CpG: nichtmethylierte DNA-Motive bakterieller DNA; CT: Choleratoxin; dsRNA: dop-pelsträngige RNA; FHA: Hämagglutinin aus B. pertussis; LPS: Lipopolysaccharid Gram-negativer Bakterien; pDC: PrecursorDC. Nach Mc Guirk and Mills (3))
|
 |
Tabelle 2

Immunregulatorische Funktionen von T-Helferzellen (CD4+)

Induktion der Antikörpersynthese durch
B-Zellen

Entscheidung über Klassenswitch bei
Immunglobulinsynthese

Potenzierung zytotoxischer T-Zellen (CD8+)

Verstärkung der NK-Zellzytotoxizität
(z.B. durch IFNγ)

Makrophagenaktivierung (z.B. durch IFNγ)

Verstärkung einer Entzündungsantwort

Antiinflammation

Suppression autoreaktiver Klone


|

|
Toleranz versus Auto- oder Alloaggression

Die simple Vorstellung, dass nicht-supprimierte und demzufolge klonal
expandierte autoreaktive zytotoxische T-Zellen organspezifische Autoimmunerkrankungen
hervorrufen, hat nicht dazu geführt, die entsprechenden Antigene
bei Multipler Sklerose, Rheumatoidarthritis oder Diabetes mellitus
zweifelsfrei für jeden Einzelfall zu identifizieren. Es mehren
sich die Befunde, dass lokale Entzündungen, Infektionen oder
Verletzungen durch die Verstärkung einer TH1-Antwort u.U. bei
entsprechender genetischer Disposition eine bislang etablierte spezifische
Toleranz überrollen könnten (s. Abb. 6). Unspezifische Entzündungsmediatoren
wie O
2-, H
2O
2, NO, IL1, IL8, TNFα sind inzwischen Targets experimenteller
und klinischer Interventionen (s. Abb. 9). Wir sind also weit von
der Möglichkeit einer spezifischen Toleranzinduktion, die Langzeiteffekte
setzen würde, entfernt sondern behandeln symptomatisch und demzufolge
mit Dauermedikation (wie z.B. mit Anti-TNF-Antikörpern bei Rheumatoidarthritis
oder M. Crohn (Tab. 1, Abb. 9).
Die Verhinderung einer allogenen Transplantatabstoßung mit Antikörpern
gelingt, weil man den Zeitpunkt 0 der antigenen Exposition kennt und deshalb
sehr trickreich eine Primärantwort mit blockierenden Antikörpern
(s. Abb. 4.9) gegen den T-Zellwachstumsfaktor-Rezptor (IL2 Rezeptor) unterbinden
kann. Dieser Rezeptor trägt unter den in die Nomenklatur der Cluster
of Differentiation (CD) aufgenommenen zelltypischen oder funktionell exprimierten
Oberflächenmolekülen (bislang 247) die Nummer 25 (CD25). Die Blockade
dieses Rezeptors (s. Tab. 4) verhindert die klonale Expansion aller zu diesem
Zeitpunkt (der Transplantation) stattfindenden T-Zellaktivierungen (u.U.
eben auch die gegen eine beginnende CMV-Reaktivierung!). Dennoch ist diese
Art der Immunsuppression selektiver als die mit klassischen Immunsuppressiva.
Da das CD25-Molekül bei allen Patienten identisch ist, kann man mit
nur einem Antikörper alle Patienten behandeln. Die Spezifitäten
der Transplantatantigene können unberücksichtig bleiben.
Wie spezifische Toleranz induziert wird (und exakt nach 9 Monaten abgebrochen
wird) bleibt immer noch ein Rätsel einer normalen Schwangerschaft,
die als Semiallotransplantat bezeichnet werden kann. Mütterliche Antikörper
gegen väterliche Antigene werden am Trophoblasten binden und sind vornehmlich
blockierende Antikörper (s. Abb. 4.5.), während alle anderen Spezifitäten
die Plazenta passieren (Abb. 4.11.) und dem Föten einen aktuellen passiven
Schutz bieten. Obwohl durch die Plazenta eine besondere lokale Situation
(Absorption antifetaler Aktivitäten) geschaffen ist, sind inzwischen
eine Vielzahl lokaler Immunregulationsmechanismen zur Unterdrückung
möglicher mütterlicher zytotoxischer Effektorfunktionen (Abb.
4.1., 4.2., 4.3., 5.2., 5.3., 5.4., 5.7., 5.9.) und zur Förderung des
fetalen Wachstums (4.5., 4.11., 6) identifiziert (Tab. 3).
Tabelle 3

Der aktive Beitrag der fetoplazentaren Einheit zur Toleranzinduktion während der Schwangerschaft
| GM-CSF |
→ |
fördert fetales Wachstum |
| sTNF-R |
→ |
blockiert zytotoxische TNF-Wirkung |
| LIF |
→ |
fördert fetales Wachstum |
| IL10 |
→ |
antiinflammatorisch (s. Abb. 6) |
| Progesteron |
→ |
TH2>>TH |
| IDO |
→ |
katabolisiert Tryptophan, was lokale "Immundefizienz" verursacht |
| HLA-G Expression |
→ |
bindet an KIR auf mütterlichen NK-Zellen (s. Abb. 5.3.) |
| FasL-Expression |
→ |
bevor eine spezifische mütterliche zytotoxische T-Zelle aktiviert wird und FasL exprimiert (s. Abb. 5.2.), wird sie selbst Opfer einer Apoptose-Induktion |
|

(FasL: Fas-Ligand; GM-CSF: Granulozyten/Makrophagen-Kolonie stimulierender
Faktor; IDO: Indoleamin-2.3-dioxygenase; LIF: Leukemia inhibitory factor; sTNF-R: löslicher TNF-Rezeptor)

Bei der "Abstoßung" (Abort oder Geburt) spielen NK-Zellen, IFN
γ und TNF eine Rolle. Ohne die allgemeine mütterliche Abwehr zu schwächen, ist das Immunsystem lokal so "umgeschaltet", dass Toleranz und Wachstumsförderung eine spezifische Leistung des Immunsystems werden (11). Eine genetische
Diversität zwischen Vater und Mutter ist deshalb ein Garant für die Induzierbarkeit der notwendigen Immunantwort. Die individualspezifischen Histokompatibilitätsantigene (HLA) sind zusätzlich an eine olfaktorische Expression gekoppelt, so dass Paarungspräferenzen zur Vermeidung von Inzucht führen. Damit wurde klar, dass das Immunsystem nicht nur zur
Aufrechterhaltung der Integrität eines Individuums dient, sondern die Reproduktion dahingehend beeinflusst, dass die genetische Vielfalt garantiert bleibt - und damit auch die Diversität der adaptiven Immunität, welche für die Überlebenschancen einer ganzen Spezies essentiell ist.
Tumoren als Trittbrettfahrer

Die Mutationsrate pro Gen und Zellteilung wird auf 10
-6 geschätzt.
Es ereignen sich ca. 10
16 Zellteilungen während eines Lebens. Im Alter
von 80 Jahren werden 10
9 Mutationen pro Gen stattgefunden haben. Warum sind
Tumoren dann aber so seltene Ereignisse?
Die Selbstreparaturmechanismen der Zellen werden durch eine Immunüberwachung unterstützt. Tumoren sind in der Regel immunogen und in einem gesunden (immunkompetenten) Wirt wirken viele Anti-Tumor-Effektormechanismen (Abb. 5.2., 5.3., 5.9., 4.1., 4.2., 4.3.). Diese Immunantwort wird allerdings durch diverse Tumorzellleistungen "umgeschaltet" (Abb. 7).
Abbildung 7

Tumorausweichstrategien

Tumoren, die derartige Fähigkeiten erlangen, verschaffen sich einen Vorteil, alle anderen werden unbemerkt erfolgreich eliminiert. Tumoren nutzen somit physiologische Toleranzmechanismen und verschaffen sich dabei noch Wachstumsvorteile, z.B. über die Produktion angiogenesefördernder Faktoren durch tumorinfiltrierende Makrophagen (Abb. 5.9.). Bezogen auf die Darstellung in Abb. 6 werden Tr- und TH2-Wege gebahnt.
Subversive Leistungen von Infektionserregern

In ähnlicher Weise können Bakterien, Viren oder andere Erreger
Effektormechanismen unterwandern. Intrazellulär wachsende Keime können
erfolgreich ein intrazelluläres Killing (Abb. 5.6.) verhindern. IFN
γ
als TH1-Zytokin (Abb. 6) fördert z.B. die Fusion von Phagosom und Lysosom,
doch Mykobakterien, HIV, Masernvirus, Rhinovirus, einige E. coli, Histoplasmen,
Plasmodien und Leishmanien können den LPS- oder CpG-vermittelten DC1-TH1-Weg
(Abb. 6) blockieren und eine effektive Entzündungsantwort in eine antiinflammatorische
("tolerante") umwandeln. Coxsackieviren, HIV, Masernvirus, CMV,
Legionellen, Yersinien, Listerien oder Mykobakterien können aber auch
die Produktion von TGFβ und IL10 stimulieren. EBV, Herpesviren oder CMV
besitzen in ihren Genen gar IL10-Homologe!
Bezogen auf Autoimmunerkrankungen wird deutlich, dass Infektionen sehr wohl
ein Zünglein an der Waage sein können.
Systemische dekompensierte antibakterielle Abwehr

Eine Infektion kann durch exzessive LPS- oder Superantigen (Streptokokken,
Staphylokokken)- Aktivierung von Monozyten/Makrophagen bzw. T-Zellen
und über IL1, IL8, IL6, IL12, TNF oder IFN
γ zu einem Systemic
Inflammatory Response Syndrome (SIRS) führen, das in ein Multiorganversagen
oder einen septischen Schock übergehen kann (14). Gegenregulationen
führen danach zu einem Compensatory Antiinflammatory Response
Syndrome (CARS). Jetzt liegt die antibakterielle proinflammatorische
TH1-Schiene danieder: Opportunistische Keime können lebensbedrohlich
werden. In der Zirkulation finden sich IL10 und TGFβ (12). Therapieversuche
zur immunologischen Gegenregulation beider Phasen (z.B. Anti TNF-Antikörper
oder IFN
γ) waren bislang nicht bahnbrechend erfolgreich (s. Abb. 9),
weil die zeitliche Abfolge individuell hochvariabel ist und ein Zufrüh
oder Zuspät verhängnisvoll sind (13, 20).
Zwischenbilanz

Mikromilieu, Zeitpunkt und simultane Inanspruchnahme verschiedener
Immuneffektormechanismen sowie Umfang und Dauer der Reaktionen bestimmen
die Qualität einer Immunantwort und die interindividuelle Verschiedenheit
des Ausgangs.
Neue Therapieansätze

Die alte Impfung hat ein neues Highlight: Die DNA-Vaccinierung
schürt Hoffnungen auf eine einfache, preiswerte, virussichere
Alternative. Der Markt ist riesig, für eine Hepatitis B Vaccinierung
z.B. weit über 1 Billion USD. Entgegen früheren Behauptungen
ist auch eine AIDS-Vaccine nicht mehr in unerreichbarer Ferne. HIV-spezifische
zytotoxische T-Zellen (CD8+) sind inzwischen als wirksame Effektorschiene
erkannt. Gehen diese Klone sehr früh mit den infizierten CD4+
T-Helferzellen apoptotisch zugrunde, wird die Krankheit zum Ausbruch
kommen (Abb. 8).
Abbildung 8

HIV-spezifische zytotoxische T-Zellen entscheiden über die Dauer der Latenzphase bei Infizierten. (CD4+: alle T-Helferzellen)

Die Gesamtzahl aller CD8+-Zellen bleibt dabei unverändert.
Erst neue Technologien erlauben die Quantifizierung antigenspezifischer
Klone im peripheren Blut. Im Tiermodell werden DNA-Vaccinen erprobt,
die nicht nur HIV (SIV)-Antigen-DNA, sondern gleichzeitig auch DNA
für den T-Zellwachstumsfaktor IL2 enthalten. Während bei
experimenteller Depletion aller zytotoxischer Zellen bei infizierten
Affen die Viruslast sofort ansteigt und die Zahl aller CD4+ T-Helferzellen
abfällt, kann eine Impfung ähnlich wie eine HAART (Hochaktive
antiretrovirale Therapie) langanhaltend den Ausbruch der Erkrankung
verhindern (15). Die DC1/TH1 Schiene (s. Abb. 6) verstärkt eine
Immunantwort zytotoxischer T-Zellen, die virusinfizierte Zellen killen.
Auch die klassischen Adjuvantien entpuppen sich als DC1-induzierend.
Bakterielle DNA ist im Gegensatz zur Säugetier-DNA nicht methyliert
und wird von dendritischen Zellen als fremd erkannt. Synthetische
Oligonukleotide (Cytosin-phospho-Guanin, CpG) werden z.Z. in 14 klinischen
Studien erprobt, um bei allergischer Rhinitis oder Asthma, Non-Hodgkin-Lymphomen
und viralen Infektionen die DC1/TH1-Schiene zu stärken oder bei
Hepatitis B Vaccinierung (CpG7907 + Engerix B) als Adjuvanz eingesetzt
bzw. in Kombination mit monoklonalen Antikörpern (CpG7909 + Rituxan)
bei Lymphomen angewendet zu werden.
Obwohl wir bis heute nicht endgültig die Wirkung der altbewährten
Rh-Prophylaxe (16) erklären können (IgG-Antigen-Komplexe
wirken über Fc
γRIIb?, s. Abb. 4.10.), werden heute Antikörper
nicht nur für die passive Immunisierung (Tollwut, Tetanus, Bienengift)
oder die Substitution angeborener oder erworbener Immunglobulinmangelsyndrome
eingesetzt. Seit der Erstbeschreibung monoklonaler Antikörper,
die üblicherweise in der Maus induziert werden, und der Möglichkeit,
deren Immunogenität dadurch zu reduzieren, dass man chimäre
oder humanisierte Antikörper generieren kann, werden sie vor
allem zur selektiven Elimination unerwünschter Zellen (Tumorzellen,
auto- oder alloreaktive Klone) bzw. zur Blockade unerwünschter
biologischer Effekte eingesetzt (gegen Zytokine, Rezeptoren oder Adhäsionsmoleküle).
Tabelle 4

Monoklonale Antikörper in der Therapie
Endrecolomab
Glaxo/Wellcome |
Panorex® |
anti-hu17-1A (adenocarcinoma)
humanisierter mAK |
postoperativ bei Kolonkarzinom |
Alemtuzumab
Schering |
MabCampath® |
panlymphocyte (CD52)
humanisiert (IgG1) mAk |
CLL |
Rituximab
Roche |
Mabthera® |
anti-CD20
chimärer Maus / human IgG1 mAK |
NHL, Folliculäres Lymphom |
Tositumomab -131 I
Coulter Pharmaceutics |
Bexxar® |
anti-CD20
Maus mAK, radioaktiv markiert |
NHL, B Zelllymphom |
GemtuzumabOzogamicin
Wyeth-Ayerst |
Myelotarg® |
anti CD33
recombinanter humanisierter (IgG4) mAK Immunsuppressivum gekoppelt |
leukämische Myeloblasten (AML) |
Basiliximab
Novartis Pharma |
Simulect® |
anti-huCD25 a chain
chimärer Maus / human IgG1 mAK |
Verhinderung der Transplantatrejektion |
Daclizumab
Roche |
Zenapax® |
anti-huCD25 a chain
rekombinanter humanisierter (IgG1) mAK |
Verhinderung der Transplantatrejektion |
Infliximab
Centocor B.V./Essex Pharma |
Remicade® |
anti-TNF
chimärer Maus / human IgG1 mAK |
Rheumatoidarthritis M. Crohn |
Etanercept
Wyeth |
Enbrel® |
TNFRII - FC - Fusionsprotein
humaner TNFR (p75) - hulgG1 - Fusionsprotein |
Rheumatoidarthritis |
Trastuzumab
Roche |
Herceptin® |
anti huEGF-R (MER-2)
recombinanter humanisierter (IgG1) mAK |
Mammakarzinom, Metastasen |
Abciximab
Centocor/Lilly |
ReoPro® |
anti humanGPIIb/IIIaR
Fab-Fragmente eines mAK gegen Thrombozytenantigen |
kardiovaskuläres Risikomanagement, ischämische
Herzerkrankung |

(CD: Cluster of Differentiation, Nummern stehen für verschiedene
Oberflächenmoleküle; CD20: B-Zell-Antigen; CD25: IL2-Rezeptor;
CD33: Granulozytenmarker; EGF: Epidermaler Wachstumsfaktor; hulgG1: humanes
IgG1 Grundgerüst; mAK: monoklonaler Antikörper; TNF: Tumor Nekrose
Faktor)

Tab. 4 liefert einige Beispiele einer rasant anwachsenden Zahl von Zulassungen mit den vielfältigsten Applikationen. Rituximab z.B. ist bereits an 250.000 Patienten zum Einsatz gekommen und wird inzwischen nach Mono- oder Kombinationstherapie zur Erhaltungstherapie verwendet, die das progressionsfreie Überleben signifikant verlängert.
Anti-TNF-Antikörper wurden ursprünglich für die Behandlung
der Sepsis und zur Abwendung des septischen Schocks entwickelt, scheiterten
aber an der Schwierigkeit der diagnostischen Sicherheit, den richtigen Zeitpunkt
der Applikation festzustellen (14). Abb. 9 soll einfach einmal den weiten
Weg und den enormen Aufwand dokumentieren, der nötig ist, um einen
monoklonalen Antikörper in die Therapie einzuführen. Etanercept
ist kein monoklonaler Antikörper, sondern ein rekombinanter löslicher
TNF-Rezeptor, der ebenfalls TNF bindet. Dessen kurze Halbwertszeit in vivo
konnte auf über 14 Tage verlängert werden, weil 2 Rezeptormoleküle
über einen Fc-Teil des humanen IgG1 verbunden wurden und somit antikörperähnliche
Strukturen erhielten. Die Behandlung eines Patienten mit Rheumatoidarthritis
oder M. Crohn mit einer Anti TNF-Strategie macht deutlich, dass die Verstärkerfunktionen
der Zellen der angeborenen Immunität bei diesen Autoimmunerkrankungen
Ziel des Angriffspunktes sind und diese Therapie deshalb eine Dauermedikation
ist.
Abbildung 9

Der weite Weg zum Medikament. In Anlehnung an Feldmann, M. (5)

Die neuen Erkenntnisse über dendritische Zellen haben auch zu neuen
Strategien bei der Behandlung von Tumorpatienten geführt. Unreife dendritische
Zellen können aus dem Blut eines Patienten isoliert werden, mit Zytokinen
ausdifferenziert und vermehrt werden, um dann mit Tumorzell-Lysaten, Tumorproteinen,
Peptiden oder DNA in vitro stimuliert zu werden, und so dem Patienten zurückgegeben
werden. Erste Erfolge bei malignen Melanomen belegen (17), dass eine Vaccinierung
gegen Tumoren real werden kann: über die Stärkung der DC1/TH1-Achse
(Abb. 6) zur Überwindung der Tumorausweichstrategien (s. Abb. 7).
Die hier aufgeführten Beispiele belegen, dass die Immunologie zwar
z.Z. eine spannende Entwicklung erlebt, aber im Jahr 2003 leider viele klinikrelevante
Ziele noch längst nicht erreicht sind, nämlich spezifische Toleranzinduktion,
Prävention von Überempfindlichkeitsreaktionen, Heilung von Tumorerkrankungen,
Diagnose und Behandlung aller Immundefizienzen (18) oder prophylaktische
Gesundheitsvorsorge.
Ausblick

Früher nannte man phagozytierende Makrophagen abfällig Scavanger
Macrophagen (Strassenfeger-Makrophagen). Ausgehend von der Erkenntnis, dass
spezifische Lymphozyten des adaptiven Immunsystems aber ohne die Zellen
der unspezifischen Abwehr keine einzige ihrer Funktionen erfüllen könnten,
wird die Aufklärung immunregulatorischer Mechanismen den Schlüssel
zu kausalen Therapien liefern. Dabei ist nicht die intrinsische Regulation
gemeint, sondern die integrierte, z.B. auch die durch das Neuroendokrinium
beeinflusste. Psychoneuroimmunomodulation ist ein neues Feld. Krankheitsbilder
wie Chronic Fatigue warten auf eine wissenschaftliche Bearbeitung (19).
Bislang stiefmütterlich erforschtes Terrain wie z.B. die orale Toleranzinduktion
und die Darmschleimhaut rücken in das Rampenlicht. Auch Dogmen fallen:
Fast unbemerkt, während der heftigen Diskussion über embryonale
Stammzellen, wurde überraschend herausgefunden, dass Knochenmarkstammzellen
nicht nur Vorläufer hämatopoetischer Zellen sind, sondern bei
Herzinfarkt offenbar erstens Ischämiebereiche aufspüren und zweitens
zu Kardiomyozyten und Endothelzellen ausdifferenzieren können (21,
22). Vielleicht ist das ein Gewebereparaturprinzip, das bis zum Jahre 2001
auf seine Entdeckung warten musste. Den ersten Patienten wurden körpereigene
Blutstammzellen bereits ins Herz gespritzt (23). Das Schließen der
Wissenslücken wird in absehbarer Zeit neue Therapieansätze auch
bis in die Praxis eines Allgemeinmediziners bringen.
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