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Abgeschlossene Projekte

Der Einfluss von Betablockern auf das Outcome von Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock
Unklar ist bislang wie sich insbesondere eine Neuansetzung und auch eine Absetzung einer bestehenden Betablocker-Therapie während der Sepsis auswirken.
Ziel dieser Arbeit ist es daher den Einfluss einer Betablockergabe auf die 90-Tage-Letalität als primären Studienendpunkt zu untersuchen. Dabei findet erstmalig eine differenzierte Betrachtung des Einnahmeverhaltens statt, indem die Patienten in vier Gruppen eingeteilt werden.
Die vorliegende retrospektive Beobachtungsstudie analysiert die Daten von 606 Patienten, die sich in der Zeit von Januar 2010 bis Dezember 2013 in der Universitätsmedizin Greifswald in intensivstationärer Behandlung befanden und die Kriterien der schweren Sepsis und des septischen Schockes gemäß der Kriterien der ACCP/SCCM-Konsensuskonferenz erfüllten.
Das Absetzen einer bestehenden chronischen Betablockertherapie geht im Gegensatz zu einer medikamentösen Fortführung mit einer signifikanten Erhöhung der 90-Tage-Letalität (p=0,046) einher. Gleichzeitig hat eine Neuansetzung keinen negativen Einfluss gegenüber den Patienten ohne Betablocker-Einnahme. Die Applikation eines Betablockers ist nicht mit einem erhöhten Bedarf an Vasopressoren und inotropen Medikamenten assoziiert.
Die vorliegende Studie legt nahe, dass eine bestehende Therapie mit Betablockern nicht abgebrochen werden sollte, da diese mit einer erhöhten Letalität einhergeht. Um eine endgültige Aussage zu treffen, ist die Durchführung prospektiver, randomisierter und placebokontrollierter Multicenterstudien notwendig.

Die Untersuchung erfolgte im Rahmen der Promotion von Frau Steffi Wauschkuhn

Publikation
Continuing chronic beta-blockade in the acute phase of severe sepsis and septic shock is associated with decreased mortality rates up to 90 days.
Fuchs C, Wauschkuhn S, Scheer C, Vollmer M, Meissner K, Kuhn SO, Hahnenkamp K, Morelli A, Gründling M, Rehberg S.
Br J Anaesth.
2017 Oct 1;119(4):616-625

 

  

Häufigkeit der schweren Sepsis und des septischen Schocks auf Intensivstationen in Mecklenburg –Vorpommern
Eine hohe Sterblichkeit, hohe Fallzahlen und hohe Kosten bei der Sepsis stellen eine immense Herausforderung dar. Engel et al. konnten 2007 erstmalig für Deutschland eine hohe Prävalenz für die schwere Sepsis und den septischen Schock in Deutschland zeigen. Da die Inzidenz nur geschätzt werden konnte, startete das Kompetenznetz Sepsis im Jahr 2013 die INSEP-Studie.
Diese Studie beschäftigt sich mit den in Mecklenburg-Vorpommern erfassten Daten. Insgesamt konnten 62,5%aller relevanten Intensivbetten erfasst werden. Am 4. November 2013 litten 20,1% der beobachteten Patienten an einer schweren Sepsis oder einem septischen Schock. Diese Daten reihen sich im Vergleich zu internationalen Daten im Mittelfeld ein und zeigen einem Anstieg der Häufigkeit gegenüber der deutschen Daten von 2007. Die Inzidenz während der Studiendauer betrug je nach Berechnungsart zwischen 268 und 288 / 100 000 Einwohner und liegt damit über vergleichbaren prospektiven Daten und entspricht etwa retrospektiven Daten. Eine Studie mit deutschen Abrechnungsdaten zeigte 2013, dass nur 50,7% der Patienten mit schwerer Sepsis und 74,3% der Patienten mit septischem Schock auf Intensivstationen in Deutschland behandelt werden, sodass die wahre Inzidenz bei etwa 500 / 100 000 Einwohner liegen müsste. Verstorben sind 37,6% der beobachteten Patienten mit einer schweren Sepsis oder einem septischen Schock während ihres Krankenhausaufenthalts, 42% im Zeitraum von 90 Tagen. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet entspricht dies etwa 1800 verstorbenen Patienten. Basierend auf diesen Daten müsste die schwere Sepsis und der septische Schock als Todesursache Nummer zwei oder sogar als die Haupttodesursache in Mecklenburg-Vorpommern angesehen werden.
Die hier aufgeführten Berechnungen offenbaren einige Probleme in Bezug auf Repräsentativität und Übertragbarkeit. Dennoch erlauben sie die Grundannahme, dass die schwere Sepsis sowohl in der Inzidenz, als auch in der absoluten Sterblichkeit in den offiziellen Statistiken deutlich unterschätzt wird und verdeutlichen damit die Dringlichkeit weiterer Analysen.

Die Untersuchung erfolgte im Rahmen der Promotion von Herrn Jan Thomas Bollmann

Publikation
Incidence of severe sepsis and septic shock in German intensive care units: the prospective, multicentre INSEP study.
SepNet Critical Care Trials Group.
Intensive Care Med. 2016 Dec;42(12):1980-1989