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Diagnostik

Vor Beginn der antiinfektiven Therapie empfiehlt die aktuelle Sepsisleitlinie die Abnahme von zwei oder mehr Blutkultursets (aerob und anaerob).  Die Zeit bis zum Endergebnis positiver Blutkulturen wird vom Beginn der Inkubation und der Zeit bis zur abschließenden Keimidentifizierung und Resistenztestung beeinflusst. Transportwege und Öffnungszeiten der mikrobiologischen Labore behindern noch vielfach eine zeitgerechte Diagnostik. Zusätzlich wird die Zeit bis zum mikrobiologischen Endergebnis durch die Art der verwendeten Nachweismethoden beeinflusst. Wir konnten zeigen, dass die patientennahe Blutkulturdiagnostik zu einer signifikanten Reduktion der Zeit bis zum mikrobiologischen Endergebnis führt. Damit ist eine schnellere Therapieoptimierung möglich. Mehrere Studien konnten diesbezüglich eine Reduktion der Sepsissterblichkeit zeigen.

Die Verkürzung in der Analytik könnte einen zusätzlichen Zeitgewinn bringen. Dabei muss zwischen Verfahren unterscheiden werden, die  aktuell nur im mikrobiologischen Labor angewendet werden können und solchen, die als point-of-care-Gerät zur Verfügung stehen und patientennah eingesetzt werden können.

In den letzten Jahren sind durch verschiedene diagnostische Verfahren wie Matrix-Assisted Laser Desorption - Time Of Flight Massenspektrometrie (MALDI-TOF) und molekularbiologische Methoden der Erregeridentifizierung die klassischen mikrobiologischen Nachweismethoden ergänzt worden.

Neben der Anwendung der Multiplex-Polymerase-Kettenreaktion (PCR) im Labor stehen mittlerweile auch erste Anwendungen zur Verfügung, die eine patientennahe Diagnostik gestattet. So ermöglicht z.B. die Unyvero Plattform der Firma Curetis (Deutschland) innerhalb von 4-5 Stunden die Identifikation von 33 verschiedenen Bakterien und Pilzen und 17 Resistenzgenen aus positiven Blutkulturen, respiratorischen und anderen Sekreten.

Eine weitere patientennahe Diagnostik basiert auf der primären Erregeridentifizierung aus positiven Blutkulturen durch Gelelektrophorese und Fluorescence-in-situ-hybridization sowie einer anschließenden MHK basierten Empfindlichkeitstestung innerhalb von 5-6 Stunden (Accelerate Diagnostics, USA). In einer aktuellen Studie konnte gezeigt werden, dass eine schnelle Erreger- und Resistenzidentifikation (Verigene system) auch häufig zu einer Veränderung der antiinfektiven Therapie führte.