Forschung

Aktuelle Forschungsfragen der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin D – Geriatrie und des Altersmedizinischen Zentrums befassen sich mit

  • der Verbesserung der geriatrischen Versorgung im ländlichen Raum,
  • neuen, effektiven und praktikablen Ansätzen für ein gesundes Altern,  
  • Anwendung von molekulargenetischen und physiologischen Methoden auf Sektoren der Inneren Medizin und altersabhängige Veränderungen, insbesondere der Niere, bei Hypertonie, Polypharmazie, Demenz und Adipositas sowie
  • klinischen Fragestellungen zu Frailty (Gebrechtlichkeit), Stürzen, Nierenleiden, Bluthochdruck, kognitiven Leistungseinbußen und therapeutischen Interventionen im Alter.

Forschungsnetzwerk Geriatrie Gerontologie

Das Netzwerk „Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie” wurde als Verbund BMBF-geförderter und -beantragter Nachwuchsgruppen und Projekte im Rahmen neuer Lehrstühle und Abteilungen in der Geriatrie und Gerontologie initiiert. Durch die Etablierung einer Plattform sollen wissenschaftlicher Austausch und Sichtbarkeit für die Forschung in der Geriatrie und Gerontologie gefördert werden.

 

Netzwerk Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie

Die Versorgung älterer Menschen ist eine der wesentlichen Aufgaben und Herausforderungen moderner Gesundheitssysteme. Der Umgang mit älteren multimorbiden Patientinnen und Patienten mit komplexen Bedarfen und Lebenssituationen ist dabei nicht nur für Geriatrie und Pflege zentral, sondern zieht sich durch beinahe alle medizinischen Fachdisziplinen und Gesundheitsberufe. Neben der Sicherung einer adäquaten Versorgung älterer Menschen ist die Prävention und Gesundheitsförderung wesentliche Aufgabe bis in das hohe Alter. Um Prävention und Versorgung in einer Gesellschaft des langen Lebens evidenzbasiert zu gestalten, wird der Ruf nach Ausbau der Strukturen für eine Forschung in der Geriatrie und Gerontologie laut. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat mit seiner Förderlinie „Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie”, die auf den Aufbau von sowohl Lehrstühlen und als auch Nachwuchsgruppen auf dem Gebiet Versorgungsforschung in der Geriatrie und Gerontologie abzielt, einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Um Synergien zur Strukturentwicklung dieser Fördermaßnahme weiter zu nutzen, schlossen sich die geförderten Nachwuchsgruppen und beantragten Professuren der Förderlinie zu einem offenen Netzwerk „Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie” zusammen.


Genetik von Nieren- und Hochdruckerkrankungen und Mechanismen der Alterung

Seltene Nierenerkrankungen unter dem Deckmantel häufiger Diagnosen

Mecklenburg-Vorpommern hat die höchste Prävalenz (Häufigkeit) an chronischen Nierenleiden in der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland und Europa. Bei etwa jedem zweiten nierenkranken Erwachsenen ist die Krankheitsursache nicht genau geklärt, was eine zielgerichtete Behandlung erschwert. Zusätzlich gibt es Patienten mit seltenen Erkrankungen, die sich klinisch schwer zuordnen lassen, da sie sich erst spät manifestieren und nicht die charakteristischen Zeichen aufweisen. Diese Patienten finden sich oft unter der Diagnose einer häufigen Erkrankung wieder. Typisches Beispiel hierfür ist die Amyloidose, bei der klinische Symptome meist erst ab 70. Lebensjahr auftreten. Andere Beispiele sind Gitelman-, Bartter-Syndrom, Fokal-segmentale Glomerulossklerose (FSGS) und Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS), die sich in jedem Erwachsenenalter manifestieren können.

Mittels einer Genpanel-Diagnostik können viele der typischen Fälle diagnostiziert werden. Unser Ziel ist es, diese Patienten frühzeitig zu diagnostizieren und die Aufklärungsquote durch das Auffinden von neuen genetischen Krankheitsursachen noch zu steigern. Für diese Spezialanalysen steht uns das Molekulargenetische Labor zur Verfügung, das wir in Berlin und geplant für Greifswald betreiben. Bitte hier klicken. Zur Kontaktaufnahme und Ansicht des Auftragsscheins bitte hier klicken, ausdrucken und ausgefüllt für die Probeneinsendung verwenden.

Unser Ziel ist es, unseren Patienten und Einsendern genetische Spitzendiagnostik in den Bereichen Nephrologie, Bluthochdruck, Gefäßmedizin und Polypharmakotherapie anzubieten. Wir bieten neben der Analyse einzelner Gene (Sanger-Sequenzierung) die Analyse von diagnostischen Multi-Gen Panels (Next-Generation-Sequencing, NGS) Technologien an. Dies ermöglicht eine parallele Untersuchung mehrerer Gene, die gleichzeitig den hohen Standards einer diagnostischen Datenqualität und Interpretation der gefundenen Sequenzvarianten gerecht wird. Es zeichnet sich ab, dass bei einem Teil der Betroffenen keine typischen Veränderungen im proteinkodierenden Anteil der Gene, sondern in nicht-kodierenden Bereichen vorliegen. Ihre Identifikation wird zunehmend die Sequenzierungen des gesamten Genoms und die Erforschung der Enhancer-Architektur in den entsprechenden Zelltypen („Nieren-Regulom“) erfordern.

 

 


Forschungslabor

Ziel der Arbeitsgruppe ist es, klinische Fragestellungen der Alternsforschung mit modernen Methoden der Molekularbiologie und Physiologie zu erforschen. Dabei stehen grundlegende molekulare Mechanismen zu altersabhängigen körperlichen Veränderungen und krankhaften Symptomen, wie z.B. bei Nieren- und Gefäßkrankheiten  sowie Möglichkeiten vorbeugender Maßnahmen im Vordergrund. Besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung von Grundlagenforschung und der möglichen klinischen Anwendung (translationale Medizin). Hypertonie ist weltweit der primäre Risikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität (Erkrankungen) und Mortalität (Tod).

Metabolisches Syndrom, Niere und Altersforschung

Das Metabolische Syndrom ist vergesellschaftet mit Adipositas, Bluthochdruck, Nierenschäden und Diabetes mellitus. In diesem Projekt verfolgen wir das Ziel, die parakrine Funktion des perivaskulären Fettgewebes (Adipocyte-derived relaxing factor, ADRF) bei der Regulation des Gefäßtonus bei chronischen Gefäßerkrankungen, Hypertonie und Nierenschäden zu definieren. Wir fokussieren uns auf altersabhängige Phänomene bei diesem neuen Prototyp der Gefäß- und Herz-Kreislaufregulation. Aktuell befassen wir uns mit der Rolle von H2S, Cytochrom-P450-und anderen Lipid-Mediatoren als neue Kandidaten für ADRF und ihrer altersabhängigen Regulation. Im Mittelpunkt steht die Identifizierung neuer bioaktiver Moleküle des perivaskulären Fettgewebes und ihre Wechselwirkung mit Ionenkanälen (z.B. KCNQ-Kanälen) in Gefäßen und anderen Zielorganen durch Einsatz von transgenen Mausmodellen. Schwerpunkt sind auch Fragestellungen der (Nephro)Toxizität von Medikamenten und genetische Einflussfaktoren, die eine Rolle beim Metabolischen Syndrom spielen. Mit dem 'Register Diabetische Nephropathie' wollen wir unbekannte genetische Ursachen der Diabetes-Mellitus-bedingten Nierenschädigung und neue diagnostische und therapeutische Optionen identifizieren: http://www.nephrogene.info/

Proteinurie entsteht in den späten Phasen chronischer Nephropathie und ist der wichtigste Risikofaktor für die Progression der Niereninsuffizienz. Die molekularen Mechanismen sind weitgehend unbekannt. In aktuellen Projekten untersuchen wir Mutationen in Genen (z.B. TRPC6), die zu hereditären proteinurischen Nierenerkrankungen im Menschen führen. Wir untersuchen therapeutische Möglichkeiten der Nierenprotektion durch Abklärung von Signalwegen und Zielstrukturen, die dem Angiotensin II Rezeptor nachgeschaltet sind. Dieser Schwerpunkt wird kontinuierlich ausgebaut, indem die enormen Fortschritte und Technologien der Genetik und Systemmedizin der letzten Jahre implementiert werden. Der Ansatz dient der Aufklärung der Genese von Nierenerkrankungen und altersabhängigen Veränderungen. 

Hypertonie, Endotheliale Dysfunktion und Altersphänomene

Im Fokus der Grundlagenforschung steht das Verständnis zu adaptiven Mechanismen der arteriellen Compliance bei Bluthochdruck und anderen chronischen Gefäßerkrankungen. In aktuellen Projekten werden neuartige therapeutische Zielstrukturen untersucht: Biased Rezeptor-Agonisten (biased GPCR agonists) und gasförmige Transmitter, Microbiota und Gefäßsteifigkeit bei endothelialer Dysfunktion. Die Aktivitäten sind komplementär zu Endothelzell- und Tiermodellen, die wir in unserem Labor entwickelt haben, um den Einfluss verschiedener Hormone, Metaboliten und anderer Signalmoleküle auf die Integrität des Endothels und dessen Zusammenspiel mit Thrombozyten, Gefäßmuskelzellen und Adipozyten zu untersuchen und die toxische oder schützende Funktion verschiedener Verbindungen aufzuklären. Weitere Schwerpunkte sind Untersuchungen zum Einfluss von Titin auf die Eigenschaften des glatten Muskels und zu elementaren Ca2+-Signalwegen in Gefäßen, wie z.B. Ca2+ Sparks, Ca2+-Puffs, die wir mit hochauflösenden genetischen Ca2+-Indikatoren (GCaMP, ultra-sensitive genetically encoded calcium indicators) in transgenen Tiermodellen untersuchen.

Aktuelle Projekte

  • DFG SFB 1365, A05 - Targeting renoprotection downstream of the angiotensin II type 1 receptor
  • DFG GO 766/24-1 - Titin in the pregnant uterus – a loss of function approach to smooth muscle biomechanics and mechanosignaling.”
  • DFG GO 766/18-2 - TRPC6 and kidney
  • DFG GO 766/15-2 - ADRF, vasoregulation and hypertension
  • DFG GO 766/12-3 - Molecular Mechanisms of Cerebral Vascular Autoregulation,
  • DFG GO 766/22-1/2 - Role of ryanodine receptor calcium channels in adaptative vascular processes